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25.10.06

"Blackout - Die Erinnerung ist tödlich": Interview mit Roeland Wiesnekker

Ab dem 29. Oktober zeigt Sat.1 den eigenproduzierten vierteiligen Thriller "Blackout - Die Erinnerung ist tödlich". Roeland Wiesnekker spielt darin den korrupten Drogenfahnder Boris Schenker, Ex-Partner der Hauptfigur Paul Novak (Misel Maticevic). Wiesnekker über seine Rolle und den spannenden Film.

Was ist für Sie das Besondere an "Blackout"?
Zuallererst ist das Buch einfach toll geschrieben. Alle Figuren haben auf die eine oder andere Art "Dreck am Stecken", es gibt keine nur guten oder nur schlechten Figuren. In allen gezeigten Gesellschaftsschichten läuft irgendwas krumm. Das fand ich sehr inspirierend. Außergewöhnlich finde ich außerdem die wunderschöne Kameraarbeit.

Ihre Figur des Boris Schenker ist ein Mann, der nichts mehr zu verlieren hat – unberechenbar, faszinierend und abstoßend zugleich. Wie haben Sie sich dieser schauspielerischen Herausforderung angenähert?
Am Anfang steht immer das intensive Lesen. Nach einer Weile stellt sich bei mir dann irgendwann eine intuitive Idee oder Vision ein, die sehr unreflektiert ist, nicht psychologisch, sondern ein Gefühl. Nach und nach taucht man dann immer tiefer in die Figur ein und entdeckt immer mehr Facetten. Peter Keglevic sagte mir zu Beginn: "Die Rolle gehört jetzt dir, und ich sage dir nur, wenn du zu sehr von ihr abweichst." Das war natürlich toll, weil ich vieles anbieten und meiner Fantasie freien Lauf lassen konnte.

Was ist Boris für ein Mensch?
Sehr zerrissen, verzweifelt und rastlos. Ich kann mir schon vorstellen, dass das, was ihm zugestoßen ist, ein Wahnsinnseinschnitt in sein Leben war. Das ist mit der Grund für seine Getriebenheit. Bei Boris gibt es keinen Stillstand, keine Ruhe.

Ihre Rolle ist außerordentlich intensiv. Hass, Aggression, Verzweiflung, Gleichgültigkeit – wie holt man diese extremen Emotionen aus sich heraus?
Es ist eine Mischung aus Fantasie und dem, was man an selbst erlebten Emotionen in sich findet. So entsteht ein Konstrukt einer Persönlichkeit, die man mit der Zeit immer besser versteht und kennt. Ich wusste schon bald sehr genau, wo es in einer Szene hingehen muss. Das lag natürlich auch an dem stimmigen und griffigen Buch von Norbert Eberlein, das kaum Zweifel offen ließ.

Boris hat ein sehr ambivalentes Verhältnis zu seinem Ex-Partner Paul, gespielt von Mišel Maticevic.
Mir gefällt im Film, dass wir zwar erstaunlich wenige Szenen zusammen haben, dass aber diese wenigen Szenen trotzdem die tiefe Freundschaft zwischen den beiden vermitteln – die Nähe, aber auch die Entfernung zwischen ihnen. Trotz Pauls Verrats ist ihm sein Schicksal nicht gleichgültig.

Eine Film-Kritik lesen Sie hier.

Quelle: Sat.1